| Zitat: |
Original von Brìghde NicLeod
Sie hörte das Gelächter, die Musik und wusste: gleich würde die große Hochzeit gefeiert, von der sie doch so wenig hielt. Die Zeremonie an sich hatte sie bereits verpasst, nun, man konnte auch sagen, sie hatte sie einfach... ignoriert. Ihr war die Arbeit im Stall und bei den Tieren wichtiger gewesen, als zuzusehen, wie der künftige Chief und seine ihm fremde Frau sich das 'Ja'-Wort gaben. So hatte sie auch nicht mehr das Gefühl selbst an diese unangnehmen Zwickmühle erinnert zu werden, in der sie einst steckte und aus der sie geflohen war.
Leise seufzte sie, hörte dem Schnauben der Tiere zu, betrachtete die fremden Ponies und Pferde, mit denen Adel und auch normales Volk hergekommen war, um zu feiern, den Treueeid erneut zu schwören und umsonst zu trinken. Nein, es war nicht ihre Feier und sie wollte hier bleiben. Hier, in der Dunkelheit des Stalles, einzig erhellt durch das Licht der kleinen Laterne, mit der sie nun von Box zu Box ging, ein leises, sanftes Wort zu den Tieren murmelte und sich gerade vor Epona rechtfertigte, warum sie, der Stallknecht namens Brennus, nicht hinging. "Ich würde mich verraten, Epo, schau mich gar nicht erst so an!" Doch egal was sie sagte, sie sah den stummen Vorwurf in den Augen des Hochlandponies, einzige Erinnerung an ihren Vater, die sie noch besass, ausser jenen in ihrem Kopf, die sich wieder abspielten.
Der Streit, wegen der Hochzeit, die Wut, der Zorn, die Flucht... der traurige Blick ihrer Mutter. Sie war geflohen, wie ihre Mutter einst geflohen war. Doch im Gegensatz zu dieser hatte sie ... nur Seamus und seine Frau und dies war bei weitem nicht das Himmelreich auf Erden. Sie musste hart arbeiten für ihr Brot und fürs Überleben und längst war wohl jede Weiblichkeit verschwunden an ihr, so hatte sie das Gefühl. Sie litt unter ihrer Verkleidung, doch wann immer sie Seamus einmal anflehte ihr nach zu geben, sie ins Dorf zu lassen oder halt einmal wieder sie selbst zu sein, verweigerte er es ihr. Er hatte Angst vor den Folgen, wenn sie erwischt wurde... und er hatte recht.
Dennoch... einen Tag, einen einzigen Tag... "Herrin, was macht Ihr hier? Ihr solltet längst in der Festhalle sein und Euch auf den Treueeid vorbereiten." Erschrocken fuhr sie herum, sah ihren 'Onkel' groß an, ehe sich ihre Augen zu Schlitzen zogen. "Soll ich auch noch falsch Treue ablegen, wenn ich schon falsches Kleid trage? Seamus! ich will dort diese Farce nicht sehen, wie lächerlich ist es?" Damit wollte sie sich an ihm vorbei drängen, doch er hielt sie fest, sah sie beschwörend, ja sogar flehend an, mit ihr in die Festhalle zu gehen. "Eure Sachen liegen nebenan. Catroina hatte sie mitgebracht, als sie hoch kam zur Feste. Los, geht Euch umziehen! Es hängt viel für mich und mein Weib davon ab, dass Ihr heute euch zeigt als Brennus der Stallknecht. Bitte, Herrin."
Sie konnte ihm den Wunsch nicht abschlagen und so ging sie, zog sie sich um, betete, darum, dass es niemanden auffiel, was wirklich unter Kilt und Plaid versteckt war. Brìddi traf sich mit Seamus vor der Festhalle, welcher mit einem leisen "Wir sind nicht im Krieg, Herrin" ihr Plaid richtig ihr umlegte und anschließend mit ihr in die Festhalle ging, wo alle bereits feierten und lachten. War es da nicht eine Ironie, dass ein Toter in diesen Gemäuern lag und eigentlich beklagt werden sollte, man hier unten aber das junge 'Glück' feierte? Wenn es überhaupt ein Glück werden würde? Brìddi wagte es nämlich zu bezweifeln.
Das ihre 'Tante' von ihrem Erscheinen nicht begeistert war, das war ihr anzusehen, doch dann zog sich die junge Frau in Männerkleidung zurück, lehnte sich gegen eine Wand und seufzte leise. Ihr Blick war dunkel unter der Mütze und sie betrachtete Tanzende und Trinkende gleichermassen feindselig, nur um selbst sich mit dem Whisky anzufreunden. Sie hatte keine Lust hier zu sein und wenn es nur ein bisschen nach ihr ging, so würde sie die nächste Möglichkeit ergreifen und flüchten. Ganz sicher würde sie das. |
|
| Zitat: |
Original von Ciaran MacRath
'Torfstechen, sei nicht albern, kleiner Bruder! Nicht an einem Tag wie diesen! Eine Hochzeit steht an, und das Erneuern des Treueeides! Und DU wirst dabei sein, verstanden, Ciaran?! Ich erwarte es, und komm mir nicht mit irgendwelchen Ausflüchten!' - 'Du bist nicht Vater, Mìcheal!' - 'Nein, bin ich nicht, aber Du kommst trotzdem mit!'
So, nun bin ich mitgekommen, und weiß immer noch nicht, wozu das gut sein soll! Wer sollte von einem wie mir schon den Treueeid haben wollen, und noch dazu... wer sollte sich an mich schon erinnern?! Das ist der pure Schwachsinn!
Ciaran stand nahe des Torbogens, noch nicht mal richtig in der großen Halle, in die so viele andere scheinbar 'glücklich' strömten. Es war eine Ehre geladen zu sein, und es war ihm bewusst, doch die hatte er nun gewiss nicht verdient!
Ciaran sah zu dem Efeu, der allenthalben zu finden war, seufzte ungehört und starrte wieder in seinen Becher. Seit Wochen, Monaten, war er zurück, und hatte doch nicht am Leben hier teilgenommen, kein Ohr für den Tratsch gehabt, sondern sich, wie er zugeben musste, auf dem Pachthof seines Bruders verkrochen wie ein waidwundes Tier. Doilidh hatte Recht gehabt, als sie ihn beschimpfte, er ihr die Nachricht brachte dass ihr Ehemann und Vater ihrer Kinder nicht nach Hause zurückkehren würde; er hätte es sich und ihr gerne erspart. Ihr das Wissen dass sie nun Witwe war und sich selbst es ihr sagen zu müssen. Doch wen hätte er sonst schicken sollen? Zumindest das war er Iain schuldig gewesen, und kein Wort Doilidhs hatte schlimmer sein können, als seine Schuldgefühle. Er wusste das alles, was sie ihm an den Kopf warf, selbst nur zu gut. Das Iain ein guter Mann und Vater gewesen war, und dass es seine, Ciarans Schuld war, das er nie wieder zurückkommen würde. Wie war das? Es gab Männer, die vom übersteigerten Whiskygenuss blind geworden waren, sogar gestorben? Vielleicht sollte er das auch versuchen, sich aber zumindest bis zur Besinnungslosigkeit besaufen, damit er wenigstens für ein paar Stunden vergessen konnte, dass es seine Schuld war, dass Iain heute nicht neben ihm stand, sie blöde Witze über die anderen Anwesenden rissen. Sein Bruder fehlte ihm, fehlte ihm so sehr... und das er vorhin kurz Chaitrionagh an der Seite Dùghlas gesehen hatte, machte es ganz und gar nicht besser. Einer ihrer Vorderzähne fehlte, zweifellos ausgeschlagen von ihrem Mann, der sich auch noch im Recht glaubte; dabei hätte er Cait auf Knien bewundern sollen! Ciaran jedenfalls hätte es getan.
Sein Blick ging zur hohen Tafel, wo das Brautpaar saß, daneben der Laird, flackerte über die aufgebauten Tische; mit wem sollte er hier reden? Mìcheal war in einem Gespräch verstrickt, von seinen anderen Halbgeschwistern wollte er keinen sehen, lieber hätte er noch wen von den Túatha Dé Danann gesehen! Und wenn es Daghda oder Morrighan gewesen wären! Kurz blieb sein Blick auf den drei Barden hängen, selbst wenn sie zum Tanz aufspielen würden, würde er sich heraushalten, für ihn war es keine Zeit zu tanzen, keine zu lachen, zu feiern. Er stand hier nur, weil sein ältester Bruder es gewünscht hatte und fühlte sich fehl am Platz.
Und doch erreichten auch ihn die Gerüchte, oder sollte er es lieber Getuschel nennen? Ein Toter lag hier irgendwo aufgebahrt, und ein Gefangener, ein Sasunnach noch dazu! in den Verließen... er wollte es nicht wissen. Iain hatten sie mitgenommen, waren spät in der Nacht zurückgekehrt, hatten seine Leiche und die der anderen geborgen, in Tuch gehüllt und schließlich beerdigt - Ciaran hatte schon zu viele Menschen sterben sehen. Menschen seines Volkes, die Sassunach interessierten ihn nicht. Statt also Trauer zu fühlen, war da nur ein schwarzes, leeres Nichts, das sich in seiner Brust auszubreiten schien, seit er Iain hatte fallen sehen - er brauchte eindeutig mehr Whisky! Und wenn er den nicht bekommen konnte, dann eben Ale
Während er also die Speisen erfolgreich ignorierte, hatte er sehr schnell heraus, wo er Nachschub an Getränken her bekam, nutzte es auch weidlich, vor allem da er sich mehr als einmal zwei Becher geben ließ, immer mit dem Hinweis dass er nicht alleine hier war. Doch diesmal beäugte der Schenk ihn kritisch, Ciaran verzog unmerklich das Gesicht; wer, in drei Teufels Namen, zahlte das hier?! Der Mundschenk oder der Laird?! Also! Was stellte dieser Trottel sich so an?!
Doch so sehr Ciaran im Stillen auch grollte, der Blick des Schenks folgte ihm, so dass er unvermittelt stehen blieb und seinen zweiten Becher, den er eigentlich für sich gedacht hatte, einem jungen Burschen in die Hand drückte, der ebenso wie er vorher, im Schatten stand. "Da, trink und tu so als würdest Du Dich bedanken! Also bei mir, dass ich so nett war und Dir einen Becher mitgebracht hab! Und bevor Du fragst, nein, das war keine Freundlichkeit, sondern der Versuch sich möglichst schnell ins Vergessen zu saufen, nur hat dieser Mundschenk scheinbar nichts besseres zu tun als mitzuzählen, wie viel ein Mann trinkt, bevor er - hoffentlich - besinnungslos in einer Ecke liegt!" |
|
| Zitat: |
Original von Brìghde NicLeod
Sie drehte ihren Becher in der Hand, sann darüber nach, dass es besser war, das Fest zu verlassen. Sie hätte eine Ausrede! Sie muss sich um die Pferde kümmern und Pádraig sah nicht so aus, als wäre er da groß in der Lage zu. Ihm sah man den Tag noch an. Was war dort draussen passiert? Wie immer in so einem großen Haus wurde alles erzählt und doch nichts.
Ihr Blick ging gen Ausgang. Sie könnte jetzt hinaus gehen, es würde nicht auffallen, alle waren im Gespräch und...
überrascht sah Brìddi auf den neuen Becher in der Hand, schaute auf und sah in ein ihr fremdes Gesicht eines Mannes, der ziemlich desbegeistert klang. Kurz sah sie aus dem Schatten ihrer Mütze rüber zu dem Mundschenk, nickte dann deutlich, dass auch dieser es sehen konnte und war so brav zu sagen "Danke, ich dachte schon zu verdursten. Haste ja wieder ewig gebraucht..." Damit prostete sie ihm zu, auch dem Mundschenk, der überrascht drein sah und trank einen kleinen Schluck aus dem Becher, sah dann sich jedoch wieder in der Halle um, verkniff sich das Grinsen und ihre Stimme wurde leise. "Bei der Angelegenheit hier kann man sich nur besinnungslos saufen. Ist doch eh alles nur eine kleine Farce, oder nicht?" Ihr Blick ging zu dem Mann hoch, ohne dass sie den Kopf groß bewegte, sondern eher zuließ, dass ihr Gesicht im Schatten blieb. Ihre Hände waren nicht verräterisch, aber ihr Gesicht, wenn man zu dicht stand. Er sah sympathisch aus, dass musste sie ihm lassen. Freundlich, nett.
Ihr Blick ging zu Seamus, zu dessen Frau, doch beide hielten es für besser, sich angeregt zu unterhalten, zu vergessen, dass hier jemand im Raum war, der so ziemlich deplatziert war, wie nur jemand deplatziert sein konnte. Sie fühlte sich unwohl im Kilt mit dem Plaid und allem. Sie fühlte sich richtig unwohl. Am Liebsten wäre sie jetzt... im Stall, aber da kommt sie unter Garantie nicht so schnell hin. Also schaute sie wieder zu dem Mann auf, bemerkte, dass er wirklich um einiges größer war als sie und zögerte kurz, ehe sie leichthin meinte. "Vielleicht sollte ich die nächste Runde holen, dann guckt er nicht ganz so komisch. Der Mundschenk, mein ich..." Nun wurde ihr Blick nachdenklich, schüttelte mehr für sich den Kopf. "Es ist doch alles nicht richtig. Weder die Hochzeit heute, noch dass ich hier bin. Ich sollte gehen." Damit trank sie ihren Whisky aus, entschuldigte sich bei dem Fremden, wollte gen Ausgang, als sie auch schon von Seamus angesehen wurde. So überlegte Brìddi sich den Weg, ging zum Mundschenk, holte zwei Whisky und kehrte zu dem Fremden zurück, grollte ein leises "Da... hoffentlich ist der ganze Kram bald vorbei..."
Seamus beobachtete das Ganze, nur um dann dazu zukommen "Brennus, warum gesellst Du Dich nicht zu uns?" - "Weil es hier angenehm ist." Sie sah ihren vermeintlichen Onkel an, sah zum Fremden, der ja nun ihren Namen wusste, ehe sie wieder zurück sah. "Außerdem stehe ich hier nicht alleine, also geh ruhig wieder, kümmer Dich nicht um mich." Ohne es zu merken, hat sie ihm gegenüber einen befehlsgewohnten Ton angeschlagen und Seamus? Fügt sich erstaunlicher Weise, geht zurück zu seiner Unterhaltung, während Brìddi zurück bleibt. Dann jedoch sieht sie auf, schaut den fremden Mann an.
"Kennt Ihr einen Weg hier raus, ohne dass mir gleich wieder die Familie auf dem Hals hängt, die meint, ich müsste unbedingt hier sein? Mir wäre lieber, ich könnte im Stall sein, dort ist es ruhiger... friedlicher und vor allem... man muss nicht so tun, als hätte man ne Menge Spaß." |
|
| Zitat: |
Original von Ciaran MacRath
Na wenigstens reagierte das Bürschelchen prompt und so, wie Ciaran sich das vorgestellt hatte; er achtete schon gar nicht mehr wirklich auf den spillerigen Hänfling, sondern kippte seinen Whisky in einem Zug. Eben überlegte er, wie er nun an den nächsten Becher kam, als er wieder zu dem Jungen sah, nur bitter grinste; eine Farce, wohl wahr. Er hatte zwar keine Ahnung warum das auf die Hochzeit gemünzt war, und es war ihm auch egal, allerdings stimmte er vorbehaltlos zu dass es eine Farce war, dass er hier war. Dennoch nickte er mit einem erfreuten Grinsen; wenn der 'Kleine' da wirklich für Nachschub sorgen wollte, war Ciaran der Letzte, der ihn daran hinderte! Eben das wollte er gerade anmerken, als er wieder allein da stand, dem Bürschelchen nachsah und kurz bitter grinste noch einer der meint nicht hierher zu gehören, ob nun zu Recht oder eingebildet. Allerdings war er ganz und gar nicht in der Stimmung darüber nun nachzudenken, lieber überlegte er wie er nun an den nächsten Becher kommen sollte, als der Kleine für Ciaran überraschend doch wieder auftauchte, sogar den nächsten Whisky dabei hatte. Eben noch nickte er dankend, als sich ein weiterer Mann dazugesellte, Ciaran fast den Eindruck gewann, als würde der Ältere fürchten er könne dem halben Hemd vor ihm etwas 'Böses' tun. So ein schlechter Mensch bin ich dann auch wieder nicht!
Kurz schwankend, ob er sich nun darüber amüsieren oder beleidigt sein sollte, verfolgte er schweigend das Gespräch; war ja auch nicht besonders schwierig, wurde es doch direkt neben ihm geführt.
Der Tonfall juckte ihn nicht weiter, vielleicht war das Bürschchen ja von Adel, abgesehen davon hatte er sich ja vorgenommen sich für nichts zu interessieren, außer einzig darum sich möglichst systematisch und schnell in die Besinnungslosigkeit zu saufen, und davon war er doch noch ein ganzes Stück weit weg - was seinen Blick zurück auf den Mundschenk brachte.
"Hm? Och, nein, ich kenn mich hier auch nicht aus, aber ein Weg findet sich immer, wenn man nur will! In den Stall also, ja? Bestimmt ruhiger als hier... aber nicht ohne noch was zu trinken Bürschchen! Also ein Vorschlag! Du hilfst mir eins von den kleinen Whiskyfässchen da drüben zu organisieren und ich helf Dir hier unauffällig rauszukommen. Den Whisky können wir uns ja auch teilen..." Siehst schließlich nicht so aus, als würdest Du viel vertragen, dann reicht das schon
"Kennst Du einen von den Leuten hier, die... was weiß ich, was an den Beinen haben und nicht richtig laufen können? Dann erzählen wir einfach dass das Fässchen zu dem an den Tisch soll, gehen dann... wart mal..." Kurz sah er sich um, grinste nun deutlich unternehmungslustiger und sah zurück, zuckte zusammen, denn es war nicht Iain, mit dem er mal wieder was ausheckte, fing sich aber rasch "die Vorhänge können wir nutzen, siehst Du dass sie sich im Luftzug bauschen? Da fällts nicht auf, wenn wir kurz dahinter verschwinden um zurück zur Tür zu kommen - und dann raus" |
|
__________________ Anders sein kann auch bedeuten, sich nicht jedes Mal zu häuten, wenn der Wind sich einmal dreht, schmerzhaft ins Gesicht Dir weht! Nach dem eig'nen Weg zu suchen, auch einmal für and're bluten! Nicht die Augen zu verschließen, und den Gegenwind genießen!
Eric Fish - Anders sein
Verheiratet mit Brìddi MacLeod
|